Der Weg in den Nebel
Die Berghänge sind in dichten Nebel gehüllt, der nur die Spitzen der höchsten Nadelbäume preisgibt. Die Geräusche des Waldes sind gedämpft, als hielte das Tal selbst den Atem an. Mancherorts wachsen die Pflanzen wild und in grotesken Formen, wo seltsame Hufabdrücke im feuchten Waldboden zu finden sind. Auch der große See liegt still da wie ein riesiger Spiegel, über dem das Leichentuch des Nebels niemals ganz verzieht. An einem der Hänge des gewaltigen Talkessels ragen die dunklen Türme einer Stadt auf. Es ist die Stadt der Hexen, hinter deren Mauern seit jeher die Gesänge todessehnsüchtiger Kulte in die Finsternis der Wälder hinausschallen – Das ist der Nebelkessel, ein Worldbuilding-Projekt in einer düstern Fantasywelt.
Inspiration und erste Schritte
Den Grundstein für dieses Setting bildete eine Truppe für Forbidden Psalm, die ich damals noch unter dem Namen „Blasphemers“ führte. Inspiration für diese Bande von Barbaren waren primär die Gemälde von Frank Frazetta, hauptsächlich die Death Dealer-Reihe. Außerdem sollte jeder der Charaktere eine Art Corpse Paint-Kriegsbemalung auf ihren Helmen haben, die diversen Black Metal-Bands nachempfunden wurden. Mehr zu dieser frühen Episode der Blasphemers gibt es hier
Als Forbidden Psalm für mich schließlich seinen Reiz verlor (Schuld war hauptsächlich die alberne Erweiterung), hielt ich Ausschau nach anderen Spielen. Da ich schon immer vom Sirenenruf dunkler Fantasysettings angezogen wurde, stieß ich bald auf Reign in Hell, Bleak Pilgrimage und Idols of Torment. Da ich aber auch jemand bin, der gerne Miniaturen umbaut und großen Spaß daran findet, seinen kleinen Helden (und Schurken) Namen und persönliche Hintergrundgeschichten zu geben, wurde es bald zu anstrengend, für jedes Spiel und für jedes Setting neue Charaktere zu ersinnen.
Deshalb kam ich bald zu dem Schluss, ein eigenes, spielunabhängiges Setting zu kreieren, aus dem ich bei Bedarf verschiedene Charaktere entnehmen konnte. Aus einem entlegenen Talkessel mit einer Stadt und einer Handvoll Krieger entwickelte sich bald ein Glaubenssystem mit im Widerstreit liegenden Gottheiten, Bräuchen und Ritualen und einer Fauna, an der Heinz Sielmann seine helle Freude hätte. Später kamen als entscheidende Inspriationsquellen die Miniaturkunst von Gardens of Hecate, das Videospiel Vermis, sowie diverse Künstler und Musikstücke des Dark Ambient-Studios Cryo Chamber hinzu. Zur allgemeinen Optik und Tonalität des Nebelkessel gilt:
Frank Frazetta + Robert E. Howard + Black Metal + Miniaturen
Dark Fantasy Worldbuilding
Ziel war es, ein glaubhaftes, lebendiges Setting zu erschaffen, ohne einzelne Elemente und Zusammenhänge explizit zu erklären. Vieles bleibt verborgen, wie die Bewohner des Nebelkessels selbst. Wichtig war auch, die Stadt – Hexenhanger – als funktionierende Gesellschaft darzustellen. Auch wenn die Krieger und Zauberer dieser Stadt im Mittelpunkt der Handlung stehen, sollte Hexenhanger mehr sein als evil city is evil. Deshalb war es mir wichtig, auch die Rollen der normalen Bevölkerung zu beleuchten. Auch wenn sie ihre Gottesdienste in verdorbenen Tempeln abhalten, so gehen die Bauern, Jäger, Handwerker und Kaufleute doch ihrem gewöhnlichen Tagwerk nach.
Am Ende soll sich der Nebelkessel wie eine echte, greifbare und alte Welt anfühlen, und ich hoffe, das gelingt mir.
In den kommenden Wochen werde ich die gesammelten Werke zu diesem Projekt hier in diesem Blog posten. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Geschichte damit abgeschlossen ist. Das Setting wird sich fortlaufend weiterentwickeln. Mehrere Charaktere werden hinzukommen. Manche werden vermutlich sterben. Rituale und Bräuche werden dokumentiert und neue Kreaturen in der Wildnis entdeckt.
Noch sind nicht alle Geländeteile gebaut, nicht alle Texte geschrieben und nicht alle Fotos geschossen. Aber einen kleinen Vorgeschmack gibt es schon hier: